Ihr seid hier:

/
/
Lasse (Abitur 2022)

Wenn man an das Viktoria-Luise-Gymnasium denkt, denken viele zuerst an Musik. Für mich war das ein bisschen anders, musikalisch war ich ehrlich gesagt nie besonders begabt. Dafür hat mich der Sport früh gepackt. Und rückblickend bin ich dankbar, dass ich meine schulische Laufbahn mit einer sportlichen Leidenschaft verbinden konnte.

Als ich ans Viktoria-Luise-Gymnasium kam, war ich bereits im Leistungssport Vielseitigkeitsreiten aktiv. Training, Turniere und Wettkämpfe gehörten fest zum Alltag. Ich bin unter anderem auf der Messe Pferd & Jagd in Hannover geritten und später bei der Goldenen Schärpe für das Team Hannover gestartet – unter anderem in Kreuth und Westerstede – mit Einzelplatzierungen unter den Top Ten. Für solche Veranstaltungen wurde ich regelmäßig vom Unterricht freigestellt, was mir vieles ermöglicht hat.

Einfach war das trotzdem nicht. Schule und Leistungssport parallel zu meistern heißt, Abstriche zu machen. Oft musste ich Stoff nachholen, abends lernen oder auch mal Schlaf opfern, um alles unterzubringen. Ich war sicher kein perfekter Schüler – eher nach dem Motto: Ein Pferd springt nur so hoch, wie es muss. Umso wichtiger war der Rückhalt von zu Hause, vor allem von meiner Mutter, die sehr darauf geachtet hat, dass Schule nicht komplett hintenüberfällt.

Mit etwa 17 Jahren entdeckten mein bester Freund Paul Wecke und ich unsere Leidenschaft für American Football, eine Begeisterung, die uns bis heute verbindet. Angefangen haben wir während der Corona-Zeit, ganz improvisiert, auf einer Pferdewiese. Später sind wir offiziell in Hannover eingestiegen. Schon damals haben wir uns gegenseitig motiviert: Morgens um 5:30 Uhr standen wir regelmäßig gemeinsam im Homegym, noch vor der Schule, um zu trainieren.

Mir wurde schnell klar, dass ich im Football mehr erreichen wollte. Also bin ich nach Hamburg gewechselt und habe drei Jahre lang bei den Hamburg Young Huskies in der ersten Jugendbundesliga gespielt – parallel zum Abitur. Der Alltag war intensiv: zwei- bis dreimal Training pro Woche, Spiele am Wochenende, lange Fahrten. Oft ging es nach der Schule direkt los nach Hamburg, zurück kam ich selten vor Mitternacht. Am nächsten Morgen klingelte der Wecker wieder früh. Viel Schulstoff habe ich im Bus oder im Zug gelernt – anders wäre es kaum machbar gewesen.

Sportlich waren diese Jahre extrem prägend. Wir wurden zweimal Vierter bei der Deutschen Meisterschaft, und 2022, in meinem Abiturjahr, wurde ich zur Sichtung der deutschen U19-Nationalmannschaft eingeladen. Nach weiteren Sichtungen in Weinheim und Köln wurde ich schließlich in den offiziellen 45-Mann-Kader berufen.

Kurz darauf bekam ich die Möglichkeit, an einer dreiwöchigen College-Camp-Tour in den USA teilzunehmen – mit Stationen in Atlanta, Alabama, Georgia und Florida. Dort habe ich vor College-Coaches trainiert und viele Eindrücke gesammelt. Auch wenn ich mich später aus akademischen Gründen gegen den Schritt ans College entschieden habe, war diese Zeit sportlich wie menschlich unglaublich wertvoll.

Währenddessen kam die nächste große Nachricht: die Einladung zur Europameisterschaft in Prag. Dort haben wir alle Spiele gewonnen – ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Gleichzeitig bedeutete der Leistungssport auch Verzicht: Meinen Abiball konnte ich leider nicht besuchen. Das war schade, denn wir waren ein toller Jahrgang mit vielen Menschen, zu denen ich bis heute Kontakt habe. Leistungssport heißt eben auch, Entscheidungen zu treffen.

Der Kontakt zur Schule ist auch nach dem Abitur nicht eingerissen. Gut ein Jahr nach dem Abitur wurden Paul Wecke und ich eingeladen, um als Betreuer beim USA-Austausch mitzufahren, der unserem damaligen Jahrgang durch Corona verwehrt geblieben war. Für die Schülerinnen und Schüler da zu sein, Einblicke zu geben und dieses Erlebnis mitzuerleben, war etwas ganz Besonderes. Und es hat natürlich auch perfekt zu unserer Begeisterung für Amerika und Football gepasst. Manchmal kam dabei schon ein bisschen Wehmut auf, dass ich mich gegen das College in Amerika entschieden habe.

Rückblickend kann ich sagen: die Schulzeit fühlt sich oft anstrengend an – aber im Nachhinein merkt man, wie prägend sie war. Man sollte diese Zeit nutzen, Chancen ergreifen und Dinge ausprobieren. Schule und Leistungssport schließen sich nicht aus, aber sie verlangen Einsatz, Disziplin und manchmal auch Verzicht.

Ich bin dem Viktoria-Luise-Gymnasium sehr dankbar für die Unterstützung, die ich dort erfahren habe. Ein besonderer Dank gilt den Lehrerinnen und Lehrern – insbesondere Frau Kappes, die meine Freistellungen möglich gemacht und mich auf meinem Weg unterstützt hat.

Auch wenn das Vikilu vor allem als „Musikschule“ bekannt ist und ich musikalisch eher weniger talentiert war, wurde mein sportlicher Einsatz ernst genommen und gefördert. Das Viktoria-Luise-Gymnasium ist nicht nur für Musikerinnen und Musiker eine gute Wahl, sondern definitiv auch für sportlich ambitionierte Schülerinnen und Schüler – das haben wir unter anderem bei den jährlichen Sportturnieren gegen andere Schulen in Hameln immer wieder gezeigt.

Die wichtigste Erkenntnis für mich bleibt: Wer eine klare Ambition hat und bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, dem stehen viele Möglichkeiten offen.