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Lara (Abitur 2024)

„Nach der Schule verlasse ich diese elendige Kleinstadt“, habe ich gesagt und – vorerst – das Gegenteil getan. Was für ein Glück, denke ich jetzt, denn an Großstadtlärm und Menschenmassen, die sich in und aus S-Bahnen quetschen, werde ich mich noch früh genug gewöhnen müssen.

Stattdessen habe ich mich entschlossen nach meinem Abitur das zu tun, was ich besonders gerne mache: Schreiben. Hatte ich also noch vor einigen Monaten mit dem Problem zu kämpfen, in Klausuren stets zu viel in zu kurzer Zeit sagen zu wollen, darf – und soll – ich nun möglichst viel zu Papier bringen.

Nach einem Praktikum bei der lokalen Deister- und Weserzeitung (Dewezet), wusste ich schnell: Das isses! Jeden Tag ein anderes Thema, andere Menschen, andere Geschichten – perfekt für jemanden wie mich, der weniger Gewohnheitstier, sondern vielmehr Abwechslungsfetischist ist. Und so durfte und wollte ich unbedingt bleiben.

Eigene Artikel zu schreiben, die dann tatsächlich am nächsten Tag in der gedruckten Zeitung erscheinen, bereitet mir unfassbar viel Freude. Nun habe ich zwar keine Lehrkräfte mehr, aber dafür erfahrene Kollegen, von denen ich tagtäglich lernen darf, bevor ich im kommenden Herbst mein Studium beginne.

Mittlerweile ist für mich klar, dass ich auch während und nach meinem Studium im Journalismus tätig seien will, denn ich glaube, dass besonders in politisch so aufreibenden Zeiten wie wir sie gerade erleben, gute, freie und seriöse Berichterstattung Teil des Konzeptes ist, auf dem Demokratie fußt. Auch wenn Journalisten angesichts der rasanten Entwicklung von Künstlicher Intelligenz und Co. vor einige Herausforderungen gestellt werden, denke ich, dass genau diese das Bestreben stärken werden, „Fake News“ zu erkennen und ihnen schnellstmöglich entgegenzuwirken.

Um die Chance zu haben, meinen Horizont zu erweitern, möchte ich schon bald Politikwissenschaften und Soziologe studieren. Ein großer Traum von mir ist es, eines Tages für meine Lieblingszeitung (die ZEIT) schreiben zu dürfen. Außerdem würde ich liebend gern fürs Fernsehen arbeiten. Wenn ich richtig groß träumen darf – und diese Freiheit nehme ich mir jetzt einfach mal – dann würde ich sagen, dass ich gerne der nächste Markus Lanz wäre – halt nur ein bisschen anders und in weiblich, versteht sich.

Wenn ich jetzt zurück an die Schulzeit denke, seufze ich bereits melancholisch, als wäre es eine Ewigkeit her. Dann erinnere ich mich an die Deutschstunden, die mir immer die liebsten waren und wie Öl im Feuer meine Leidenschaft für Sprache stetig stärker entfachten (an dieser Stelle gilt mein besonderer Dank Herrn Ende, der Kafka zu meinem Lieblingsautoren gemacht hat).

Zu meiner Schulzeit gehörte auch „1984“ von George Orwell zu den Pflichtlektüren. Wer sich jetzt fragt, was das zur Sache tut: Nichts. Ich möchte lediglich mit einem Zitat eben dieses Schriftstellers, der im übrigen auch Journalist war, enden: „Ich schreibe, weil es eine Lüge gibt, die ich aufdecken will, eine Tatsache, auf die ich Aufmerksamkeit lenken will, und mein wichtigstes Anliegen ist es, Gehör zu finden“.

PS: Die „elendige“ Kleinstadt, von der ich am Anfang gesprochen habe, ist im Übrigen gar nicht so übel, wie ich noch vor einigen Jahren dachte. Ich habe meinen Frieden mit Hameln geschlossen und mich in die Geschichten und Menschen der Stadt ganz neu verliebt. Allein dafür hat es sich gelohnt, noch ein Weilchen hier zu bleiben.